Mein Elan ist weg, so wie der zweite Zehner. Die Aktion abzubrechen ist nach den heutigen Misserfolgen nicht möglich, schon allein um nicht auf meinem Frust sitzen bleiben zu müssen. Irgendwas wird schon noch gehen. Den nächsten Startpunkt will ich vorher auf Kundenfrequenz prüfen. Außerdem brauch ich dringend eine vertraute Umgebung, ich beschließe mich in der Buchhandlung von den Demütigungen des Tages zu erholen.
Bisschen geschummelt, weil ich nur nebenbei auf die Kunden achte und mich hauptsächlich in der Kinderabteilung rumtreibe, um etwas für die Schultüte für meinen Sohn auszusuchen. Aber eigentlich kommt eh keiner und ich drifte Richtung Esoterik ab.
Wenn man mal sich mal so richtig barfuss ums Herz fühlen möchte, dann empfehle ich die Lektüre eines anthroposophischen Werkes über Jahrsiebte. Bei mir ist der Zenit der Lebenskraft in einem halben Jahr durchschritten und dann hat die Auseinandersetzung mit folgenden Themen zu erfolgen: Schwerkraft, Demut, Dienen, Akzeptanz. Ich stelle das Buch zurück ins Regal, und versuche den Laden so zu verlassen, dass die Buchhändlerin beim Anblick meiner Rückseite das Thema Schwerkraft nicht schon jetzt (in ihrem geschätzten 5. Jahrsiebt) rein gedrückt kriegt.
Ums Eck ist eine Schreibwarenhandlung. Ich gebe den Zehner sofort aus. Für Schultütenkrimskrams. Mir tun die Füße weh, ich tripple unbequem auf meinem Warteplatz neben der Kasse. Klar sind da Menschen im Geschäft, viele Kinder, immer wieder, hinten räumt ein älterer Mann auf, oder er wurschtelt bei der Lottostelle rum. Oder so ähnlich. Und der kleine Mann um die vierzig hinter der Kasse, den könnte man auch genau beobachten, schließlich ist das meine Aufgabe, aber der einzige Mensch mit dem ich mich jetzt beschäftigen möchte bin ich selbst. Ich und meine Mittagskrisis.
Mein Magen ist leer, aber ich kann ihn nicht füllen, erstens, weil es im Schreibwarenladen nichts zu essen gibt und zweitens wegen der Schwerkraft. Mein Kopf dafür voll. Was tue ich hier? Wozu? Mein Kopf zwingt mich jede einzelne Erniedrigung und Peinlichkeit noch mal durchzuspielen.
Ich greife schnell zu einem Billigmagazin, das vor mir auf der Ladentheke liegt und versuche mich abzulenken. Vom Laden krieg ich nichts mehr mit. Dass ich dem Verkäufer ab und zu Präsenz signalisiere, das macht mein Gesicht automatisch. Dahinter nur noch Matsch.
Aber jetzt schnell, er will mir helfen. Er will gegenüber bei Vinzenzmurr eine Leberkäsesemmel kaufen. Für sich, aber eigentlich für mich. Ich packe hastig meine Bionadeflasche in meinem Tasche, das erwachende Hirn sieht einen tollen Laden, hochinteressante Fotos an der Wand gegenüber der Kasse, tja zu spät. Er überquert ohne nach rechts und links zu schauen die Tela, ich schaffs kaum ihm zu folgen. Die ham alle a Brems, meint er. Ich fürchte mich trotzdem, Herz jetzt auch wieder beteiligt, klopft wie wild.
Der Mann ist auf Zack, Semmel ordern, Schein hinlegen, Murrverkäuferin instruieren, mir auf die Schulter hauen und wieder lebensgefährlicher Abmarsch über die Tela.
sehr amüsiert habe ich mich gerade beim lesen vom scheitern